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"Diversion Ratio"-Analysen

Um die Auswirkungen eines Zusammenschlusses zwischen Herstellern differenzierter Produkte zu untersuchen, findet das Testverfahren "Diversion Ratio Estimation" bzw. Umlenkungsschätzung Anwendung. Mit diesem Verfahren wird im Falle einer Preiserhöhung der Absatzverlust eines Produktes gegenüber einem anderen Produkt gemessen. 

Angewendet wird diese Methode in vier Schritten. Diese werden anhand eines Zusammenschlusses der Produzenten von Produkt A und Produkt B erläutert:

  1. Zunächst erfolgt eine Schätzung des Absatzanteils von Produkt A, der zu Produkt B verlagert wird, wenn der Preis von Produkt A ansteigt. Dies ist die Umlenkungsquote. Diese Quote wird mittels ökonometrischer Schätzungen von Elastizitäten ermittelt. Dazu werden bspw. Daten von Konsumentenumfragen herangezogen. Zudem bilden oft Marktanteile der jeweiligen Produkte einen Richtwert dafür, welcher Absatzanteil proportional von einem Produkt auf das andere verlagert werden könnte  (die sogenannte "Proportionalitätsthese").
  2. Anhand der Umlenkungsquote und der Gewinnspannen der Unternehmen vor dem Zusammenschluss, werden Preise nach einem Zusammenschluss geschätzt. Diese Schätzung findet zunächst ungeachtet eventueller Kosteneinsparungen durch den Zusammenschluss oder der Reaktionen von Wettbewerbern statt.
  3. Es folgt die Berücksichtigung von Produktneupositionierungen und potentieller Markteintritte nach dem Zusammenschluss. 
  4. Zuletzt werden mögliche fusionsbedingte Effizienzgewinne in die Berechnungen einbezogen.

Basierend auf diesen vier Schritten bietet die Umlenkungsquote eine ungefähre Schätzung der Preise nach einem Zusammenschluss. Ihre Genauigkeit hängt davon ab, inwieweit die Proportionalitätsthese der Wirklichkeit entspricht. Zudem besteht erhebliche Unsicherheit über den Grad der Produktneupositionierung und Markteintritten. Insofern sind Diversion Ratio-Analysen lediglich Diagnosetests, die Einschätzungen erleichtern aber keine umfassenden Simulationsmodelle ersetzen können.