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Sanitec / Sphinx

Im Jahr 1999 akquirierte der finnische Badezimmerausstatter Sanitec Sphinx, einen niederländischen Hersteller von Badezimmerausstattungen. Der Fall wurde genehmigt, obwohl beide Unternehmen signifikante Marktanteile - bis zu 90%  - in den nordischen Ländern, Schweden, Finnland, Norwegen, Dänemark und Irland, aufwiesen. Ein anderer Fall mit ähnlich hohen Marktanteilen in Skandinavien, in dem zunächst die gleichen Bedenken erhoben wurden, (Volvo/Scania) wurde von der Kommission wenige Wochen nach der Genehmigung von Sanitec/Sphinx verboten. Worin besteht also das Geheimnis eines erfolgreichen Genehmigungsverfahrens?

Im Fall Sanitec/Sphinx wurde die gesamte Methodologie der Marktdefinition, die in der Bekanntmachung über die Definition des relevanten Marktes beschrieben wird, angewendet. So hängt die Nachfragesubstituierbarkeit beispielsweise von den Bedürfnissen der Kunden nach "Duschen" ab. Die meisten Kunden legen dabei keinen großen Wert darauf, ob die Duschwanne aus Keramik oder Acryl besteht. Beide Materialien erfüllen den gleichen Zweck. Sollten die Preise für keramische Duschwannen um 5-10 % erhöht werden, würden die Kunden zu den billigeren Acrylwannen greifen. Durch die Anwendung der Methodologie der Kommission konnten die wettbewerbsrechtlich relevanten Märkte bestimmt werden. Der Kommission wurden Marktdaten für jeden nationalen Markt innerhalb der EU für alle sachlich relevanten Märkte vorgelegt.

Neben den hohen Marktanteilen in den nordischen Ländern untersuchte die Kommission auch die hohen Marktanteile beider Unternehmen in den Niederlanden. Durch die Anwendung ökonomischer Analysen, insbesondere der Analyse der Preiskorrelation, war es möglich zu zeigen, dass die Niederlande Teil eines größeren geographischen Marktes, nämlich BENELUX sind. Die Marktanteile reduzierten sich entsprechend. Dieser Fall ist ein hervorragendes Beispiel für eine wohldurchdachte Strategie bei der Anmeldung. Die Transaktion wurde von der Kommission mit Auflagen genehmigt.