• Deutsch
  • English
  • Nederlands

Getränkemarkt

Mit den Wettbewerbsbehörden sind vielfach Diskussionen über die Definition des relevanten Marktes für aromatisierte Bittergetränke geführt worden. In diesen Diskussionen ging es um die Frage, ob der sachlich relevante Markt alle Erfrischungsgetränke umfasst, oder, ob er kleiner zu fassen ist. Dieser Fall zeigt auf hervorragende Weise, dass die persönliche Meinung, über die offensichtlich jeder Konsument verfügt, subjektiv ist. Durch die Anwendung der Kriterien der Bekanntmachung der Kommission über die Definition des relevanten Marktes wurde die Nachfragesubstituierbarkeit für Bittergetränke mittels einer quantitativen Analyse bestimmt.

Erste Forschungsergebnisse zeigten, dass die Substitute für Bittergetränke je nach Gelegenheit oder Umgebung unterschiedlich sind. Solche Gelegenheiten sind z.B. zum Frühstück oder Mittagessen, nach dem Sport, beim Abendbrot, in einer Gaststätte oder auch beim Grillen. Für das Frühstück werden zum Beispiel insbesondere Kaffee, Milch oder Tee als Substitute angesehen (4 Prozent der deutschen Bevölkerung trinken Erfrischungsgetränke zum Frühstück). Andererseits werden nach dem Sport Mineralwasser, andere Soft-Drinks, Eistee, Fruchtsäfte oder Limonaden als prominenteste Substitute verwendet.

Der jeweilige sachlich relevante Markt hängt also vom jeweiligen situativen Kontext ab. Der Hypothetische Monopolistentest wurde, nach Bestimmung der Situationen, zur Definition des relevanten Marktes, entsprechend der Kriterien der Bekanntmachung der Kommission, durchgeführt. Dabei bestand das Ziel darin, den wettbewerbsrechtlich relevanten Markt für Bittergetränke, also Bitter Lemon, Tonic Water, Ginger Ale und Bitter Orange durch eine umfangreiche Kundenbefragung zu bestimmen. Dazu wurde ein Fragebogen entwickelt. Die Umfrage wurde in Deutschland durchgeführt. Die Ergebnisse waren schon auf der Individualebene sehr erstaunlich und bewiesen deutlich, dass eine angemessene ökonomische Analyse erforderlich ist, um den wettbewerbsrechtlich relevanten Markt zu bestimmen.

Unter einer Auswahl von 20 Erfrischungsgetränken wurde Mineralwasser von 38,5 Prozent der Befragten als das Substitut Nr. 1 bezeichnet. Auf Platz zwei folgten Cola-Getränke (34,1 %). Alles in allem wurden 11 Getränke von über 10 Prozent der Befragten als geeignete Alternative bezeichnet. Der zweite Schritt des Hypothetischen Monopolistentests besteht in der Untersuchung der Profitabilität einer 10 prozentigen Preiserhöhung.

Es stellte sich heraus, dass eine solche Erhöhung der Preise nicht profitabel wäre. Demnach muss für den deutschen Markt das nächste Substitut, also Mineralwasser, zu dem sachlich relevanten Markt hinzugefügt werden. Auf diese Weise sank der Marktanteil von Bittergetränken deutlich. Dieses Beispiel beweist, dass die Anwendung harter quantitativer Methoden zu einer genauen Definition des relevanten Marktes führt.